Unpraktische Geschenkideen-Suchtipps für Arbeitskollegen

Es ist furchtbar. Sie und Ihre Arbeitskollegen haben fleißig Geld gesammelt und nun gilt es, das passende Geschenk für die nette Dame aus der Buchhaltung oder gar für den Abteilungsleiter zu finden? Einige Aspekte müssen Sie hier beachten, denn ein falsches Geschenk kann fatale Folgen haben. Mobbing sei hier nur nebenbei erwähnt.

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Im Ernst: Ist es passend, einer Sekretärin eine "ach-wie-witzige" Tasse mit der Aufschrift "Die gehört dem Boss" zu schenken? Freut sich der Chef wirklich über ein T-Shirt mit einem Foto der gesamten Belegschaft? Ja? Auch dann, wenn alle Angestellten nackt zu sehen sind? Verdeutlicht ein fast schon obligatorisch gewordener und nach drei Tagen verwelkter Blumenstrauß nicht ebenfalls, dass der Arbeitsplatz des Beschenkten vergänglich ist? Ein schicker Kugelschreiber mag auf den ersten Blick eine schöne Geschenkidee sein, allerdings führt dieser praktische Artikel schnell zu Missverständnissen nach dem Motto: ?Arbeite ich etwa zu wenig??. Und Gutscheine sollten mit Vorsicht verschenkt werden. Denn auch hier kann z.B. Ihr Schreibtisch-Nachbar auf merkwürdige Ideen kommen. ?Stinke ich etwa?? (Gutschein für Parfümerie), ?Bin ich nicht angemessen gekleidet?? (Modegeschäft), ?Soll ich nie wieder kommen?? (Reisebüro). Fakt ist, Ihnen muss bewusst sein, dass ungeeignete Geschenke und damit verbundene Interpretationsfehler das Betriebsklima empfindlich stören können. Speziell dann, wenn Sie das zu beschenkende ?Opfer? nicht gut genug kennen, ist es besonders schwierig, ein ?richtiges? Präsent zu finden.

Doch mit Hilfe einiger praktischer Analyse-Tipps erfahren Sie elementare Details über Ihren Kollegen bzw. Ihre Kollegin, um so das wahrlich perfekte Geschenk auszuwählen.

Tipp 1: Ledig, alt, sucht?

Äußerst wichtig ist es, den gesellschaftlichen Stand des oder der zu Beschenkenden zu erfahren. Ist er bzw. sie verheiratet? Oder hat sich die Person für ein Single-Dasein entschieden? Vielleicht hat sie sogar eine Scheidung hinter sich? Oder lebt sie gar in einer Hippie-Kommune am Rande der Stadt? Um hinter solche Geheimnisse zu kommen, empfiehlt sich ein simpler Trick: Rufen Sie ? natürlich unter Angabe einer falschen Identität ? bei Ihrem ?Opfer? an und beginnen Sie vorsichtig einen kleinen Telefon-Flirt. Mit etwas Glück finden Sie so heraus, dass das Gegenüber verheiratet ist, drei Kinder hat und sich gerne mit Ihnen treffen möchte. Wunderbar, denn so sind die besten Geschenkideen gefunden: Eine kostenlose Therapiestunde beim Eheberater oder vielleicht doch besser ein romantisches Candlelight-Diner für zwei Personen ? natürlich für den Kollegen und seinen Ehepartner.

Alternativ gibt es dank dieser Angaben weitere, nicht minder facettenreiche Möglichkeiten: Ist der oder die zu Beschenkende ein "Familientier" und sportlich aktiv, dann wäre sogar ein Gutschein für einen Ausflug in den naheliegenden Freizeitpark, den Zoo oder ein Erlebnisbad eine spannende Angelegenheit. Sensiblen Charakteren schenkt man gerne Eintrittskarten in Theater oder Oper, viele jüngere Semester freuen sich vielleicht über Kinogutscheine.

Sie sehen also: Das Wissen über Alter, Familienstand und persönliche Interessen vereinfachen die Suche nach einem Geschenk ungemein. Oft genügt ein unverfängliches und lockeres Gespräch z.B. am Mittagstisch, um Details zu erfahren. Kommunikation ist hier das Zauberwort. Vermeiden Sie auf jeden Fall die direkte Frage nach einem Geschenk. Das ist plump und Sie werden mit Sicherheit eh keine solide Antwort erhalten. Oder wissen Sie spontan, was Sie sich von Ihren Kollegen wünschen würden?

Tipp 2: Düstere Legenden

Wer erfolgreich sein will, muss leiden. Daher sollten Sie einen wohl verdienten Feierabend opfern, um etwas in der Vergangenheit des "Opfers" zu stöbern. Während der bzw. die zu Beschenkende glaubt, dass Sie Überstunden schieben, wühlen Sie in der Personalabteilung in den Akten. Was hat er oder sie in der Vergangenheit gemacht? War Ihr Chef vielleicht früher in einem Rüstungsunternehmen tätig? Wenn ja, dann wäre das wirklich ideal ? nicht um ihn zu erpressen, sondern um ihn zu beschenken. Denn mit einem ?USB Rocket Launcher? darf er während der Arbeitszeit in der Vergangenheit schwelgen. Das Gerät wird einfach an den PC angeschlossen und mittels Knopfdruck können kleine Raketen gezielt abgeschossen werden. Verletzt wird dabei zwar niemand, aber dieses Spielzeug weckt mit Sicherheit Erinnerungen an die gute alte Zeit.

Es sind die kleinen Anspielungen, die die größten Freuden bereiten können. Auch durch Gespräche oder andere Kollegen erhalten Sie kostbare Details über die Historie des bzw. der zu Beschenkenden. Hat er/sie vielleicht früher Hobbys und Interessen gehabt, denen er/sie heute kaum noch nachgeht, z.B. weil die Zeit fehlt? Vielleicht können Sie die Neugier neu entflammen ? mit einem Geschenk, was an damals erinnert. Zumindest sollten Sie sich einer Sache bewusst sein: Finden Sie ein Präsent, das die Gefühle und Erinnerungen anspricht, ist im Optimalfall Dankbarkeit und Sympathie die Folge. Vorsicht ist natürlich geboten, denn wenn Sie die Person nicht genauer kennen, besteht hier durchaus die Gefahr des Missverständnisses, wenn Sie ?intimere? Geschenke in Betracht ziehen. ?Oberflächlichere? Aufmerksamkeiten wie z.B. Fitnessstudio-Gutscheine, ein Kletterkurs oder sogar Segelboot-Touren können vielleicht genau das Richtige sein.

Tipp 3: Marotten beobachten und kombinieren

Viele wollen es sich nicht eingestehen, doch jeder hat sie: Seltsame Angewohnheiten. Auch Ihr "Opfer" wird diese haben. Beobachten Sie, was er bzw. sie Tag für Tag tut. Ist die Person jeden Morgen schlecht gelaunt oder trinkt sie stündlich drei Liter Kaffee? Sind die Stifte des oder der zu Beschenkenden grundsätzlich angekaut oder wird ständig über fiese Witze gelacht? Dann haben Sie weitere Orientierungspunkte, die die Suche nach DEM Geschenk erleichtern. Schnell sollten Sie erkennen können, ob Ihr Berufsgenosse gerne einmal über Nacht an seinem Schreibtisch bleibt und folglich können Sie ihn oder sie mit einem USB-Tassenwärmer oder gar einem Arbeitsplatz-tauglichen Rasierapparat beglücken. Die oben als ungünstig abgestempelte Geschenkideen wie Kugelschreiber oder Tassen sind in Ausnahmefällen geeignet und zwar dann, wenn Ihr ?Opfer? eine spezielle Affinität zu diesen Gegenständen entwickelt hat.

Häufig genügt es, einen Menschen einfach nur etwas in seinem alltäglichen Tun zu beobachten, ihn nicht zu mustern, sondern schlicht zu schauen, was er gerne macht und was nicht. Hält er seinen Arbeitsplatz sauber oder herrscht eher Chaos? Fragt er andere Mitarbeiter z.B. nach Feuerzeugen oder genießt er ganz speziellen Kaffee aus erlesensten Bohnen? Aspekten, denen Sie sonst keine oder kaum Beachtung widmen, können bei dem Aufspüren einer Geschenkidee unglaublich hilfreich sein.

Es sei betont: Hauptsächlich dann, wenn Sie einen Kollegen nicht gut kennen aber ihn beschenken möchten, müssen Sie sich mit ihm als Person beschäftigen. Erfahren Sie mehr über seine Vergangenheit, seine aktuelle Lebenssituation und über derzeitige bzw. ehemalige Interessen. Sie werden sehen, dass es viel leichter fällt ? auch mit wenig Geld und geringem Aufwand ? ein schönes Geschenk auszuwählen, das dem zu beschenkenden Menschen gefällt. Wenn Sie ihm sogar noch eine richtige Freude bereiten, dann haben Sie Ihr Ziel erreicht. Denn ehrlich: Es gibt kaum etwas Schlimmeres als ein Präsent, das niemand wirklich gebrauchen kann und ohne einen Hauch von Einfallsreichtum und Liebe ausgesucht wurde. In keinem Fall sollten Sie von sich und Ihren Neigungen auf die Wünsche des Geschenke-Empfängers schließen, denn abgesehen davon, dass Sie dann das Anliegen dieses Artikels überlesen haben, werden Sie so niemals das optimale Geschenk weitergeben.


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